
Versorgungsengpässe, neue EU-Vorschriften und wachsende Anforderungen in der Patientenversorgung: Der Medizintechniksektor steht unter Druck. Heiko Laudor erklärt, wie Unternehmen darauf reagieren und warum Flexibilität zu einem entscheidenden Faktor wird.
Herr Laudor, welche Veränderungen haben derzeit einen besonders großen Einfluss auf den Medizintechniksektor?
Wir sehen eine deutliche Zunahme der Anforderungen. Regulatorische Anforderungen werden komplexer, Lieferketten anfälliger, und gleichzeitig wächst der Bedarf an maßgeschneiderten Lösungen. Unternehmen müssen Produkte schneller entwickeln und gleichzeitig höchste Qualitätsstandards einhalten. Das stellt viele vor strukturelle Herausforderungen.

Welche Rolle spielt Flexibilität in diesem Zusammenhang?
Eine zentrale. Heute bedeutet Flexibilität nicht nur, schnell reagieren zu können, sondern auch den gesamten Produktlebenszyklus im Blick zu haben – von der Entwicklung und der Auswahl geeigneter Materialien bis hin zur Produktion und langfristigen Versorgungssicherheit. Für uns ist Flexibilität kein Zusatzangebot, sondern die Grundlage jeder Partnerschaft. Unsere Kunden erwarten Lösungen, die sich an ihre Prozesse anpassen und bei Bedarf weiterentwickelt werden können.
Wo zeigt sich das in der Praxis?
Vor allem bei maßgeschneiderten Lösungen. Standardkomponenten bleiben wichtig, aber die Nachfrage nach individuellen Ansätzen wächst deutlich. In unserem Konnektoren-Bereich beispielsweise sind mittlerweile rund die Hälfte aller Projekte kundenspezifisch gestaltet. Besonders in sensiblen Bereichen wie der interventionellen Kardiologie oder dem Fluid Management sind präzise abgestimmte Lösungen entscheidend für Sicherheit, Effizienz und Benutzerfreundlichkeit.
Welche Herausforderungen stellen Regulierung und Lieferketten dar?
Beide sind spürbar schwieriger geworden. Unternehmen benötigen heute Lieferketten, die stabil und gleichzeitig anpassungsfähig sind, sowie zuverlässige internationale Partnernetzwerke. Gleichzeitig dauern Regulierungsverfahren in Europa aufgrund der MDR deutlich länger als früher. Während frühere Zulassungen innerhalb weniger Monate möglich waren, sprechen wir heute oft von zwei Jahren oder mehr. Im Vergleich dazu ist die FDA-Zulassung in den USA oft schneller, was den Wettbewerbsdruck weiter erhöht.
Wie gehen Sie mit dieser Komplexität um?
Durch frühzeitiges Engagement. Unser Qualitätsmanagement-Team unterstützt Projekte von Anfang an und stellt sicher, dass regulatorische Anforderungen einbezogen werden. Das hilft, Risiken zu reduzieren, Prozesse zu straffen und Verzögerungen zu vermeiden.
Ihr Ausblick für die Zukunft?
Flexibilität ist keine Modeerscheinung mehr, sondern eine Voraussetzung. Wer die technischen, regulatorischen und logistischen Aspekte der Medizintechnik zusammenbringt und frühzeitig integriert, schafft echten Handlungsspielraum – und wird langfristig erfolgreich sein.
